Auszug mit freundlicher Genehmigung aus FTI FORSTTECHNISCHE INFORMATIONEN, Mitteilungsblatt des "KURATORIUM FÜR WALDARBEIT UND FORSTTECHNIK", 44. Jahrgang Nr. 8/9 August/September 1992 S. 57

FORSTTECHNISCHE INFORMATIONEN

Mitteilungsblatt des "KURATORIUM FÜR WALDARBEIT UND FORSTTECHNIK"

1Y 6050 E
44. Jahrgang Nr. 8/9
August/September 1992

Die Waldfräse der Fa. Krohn - Chance oder Risiko?

Seit ihrer Vorstellung im Herbst 1990 sorgt die von W. Krohn entwickelte Stockfräse für zündstoffgeladene Diskussionen. Dies liegt zum einen in dem sehr komplexen Problemfeld der flächigen Bodenbearbeitung begründet. Die Wirkungen, Folgen und möglichen Risiken des Einsatzes der Maschine werden zwangsläufig unterschiedlich eingeschätzt.

Die sachliche Meinungsbildung wird zum anderen aber auch in erheblichem Maße von der mit der Person W. Krohn verbundenen Diskussion über Sinn und Zweck des Forstlichen Saat- u. Pflanzgutgesetzes überlagert.

Diese unglückliche Verknüpfung wurde u.a. dadurch hervorgerufen, daß die Fa. Krohn bei ihren Informationsveranstaltungen immer beide Themen auf die Tagesordnung nahm und die Bodenmelioration mit der Stockfräse zunächst ausschließlich als Paket in Kombination mit maschineller Pflanzung von Pflanzgut aus dem Hause Krohn anbot.

Die Beiträge der vorliegenden Ausgabe befassen sich allein mit den rein bodenkundlichen und verfahrenstechnischen Fragen. Sie geben dem interessierten Leser einen Überblick über den derzeitigen Kenntnisstand und versuchen damit zur Versachlichung der weiteren Diskussion beizutragen.

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Abb.: Die Waldfräse der Fa. W. Krohn - (Foto: Schulte-Karring)

Sowohl Befürworter als auch Gegner des Einsatzes der Stockfräse begründen ihre Haltung mit Ergebnissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen. In den nachfolgenden Beiträgen wird allerdings deutlich, daß die zitierten Versuche zum einen auf unterschiedlichen Standorten und zum anderen mit verschiedensten Gerätekombinationen durchgeführt wurden. So resultieren z.B. die warnenden Worte von SCHÜLER aus der Untersuchung einer lediglich mit der Krohn-Fräse gelockerten Fläche im Hauptbuntsandstein, während bei den von SCHULTE-KARRING vorgestellten Meliorationserfolgen vornehmlich staunasse Standorte gefräst, tiefgelockert und gekalkt wurden. Die Stockfräse war bei seinen Untersuchungen immer nur ein Element in der Verfahrenskette.

Dieses Beispiel belegt, daß die isolierte Diskussion der Fräse allein der Problematik nicht gerecht werden kann und Pauschalaussagen ohne standörtliche und verfahrenstechnische Einschränkungen nicht sinnvoll sind.

Trotz dieser ernüchternden Erkenntnis zeichnen sich in der Zusammenschau des in den Folgebeiträgen wiedergegebenen derzeitigen Erfahrungs- und Kenntnisstandes bereits einige Aussagen ab, die zu ersten Empfehlungen für die Praxis zusammengefaßt werden können:

- Der alleinige Einsatz der Fräse bringt erhebliche Risiken hinsichtlich der zu erwartenden physikalischen und chemischen Veränderungen mit sich und wird deshalb von allen Autoren äußerst kritisch beurteilt.

- Durch die Einarbeitung von Kalk im Zuge der Bodenbearbeitung wird der gelockerte Boden stabilisiert und werden die bodenchemischen Verhältnisse deutlich verbessert. Auf die gleichzeitige Meliorationskalkung sollte keinesfalls verzichtet werden.

- Zur fachgerechten Bodenbearbeitung muß der Boden immer tiefgründig abgetrocknet sein.

- Unter den angesprochenen Verfahren zur flächigen Tiefenlockerung und Tiefendüngung scheint die Technik der Abbruchlockerung (Ahrweiler-Verfahren, s. Beitrag SCHULTE-KARRING) das zur Zeit erfolgversprechendste zu sein.

Ob allerdings eine so weitgehende Maßnahme wie sie die flächige Bearbeitung mit der Krohnfräse darstellt überhaupt angebracht ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Frage nach dem aktuellen Meliorationsbedarf muß zwangsläufig für den Einzelbestand entschieden werden. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, in welchen Fällen nicht alternative, weniger radikale plätzeweise Verfahren wie beispielsweise die Pflanzlochmelioration mit dem Lochbohrer (z. B. am Schreitbagger) ausreichen. Inwieweit die von HORN ins Gespräch gebrachte Slotting-Technik eine erwägenswerte Alternative sein kann, bleibt abzuwarten.

R. Hofmann, KWF

INHALT:

HOFMANN, R.: Die Waldfräse der Fa. Krohn - Chance oder Risiko? (S. 57)
BENECKE, P.: Die Krohnsche Maschine - Eine Chance für restaurationsbedürftige Waldböden? (S. 58 ff)
HORN, R.; LEBERT, M.: Möglichkeiten und Grenzen der physikalischen Bodenrekultivierung in der Forstwirtschaft (S. 61 ff)
SCHULTE-KARRING. H.; SCHRÖDER. D.: Die totale Waldbodensanierung, eine Voraussetzung für den erfolgreichen Wiederaufbau der Wälder (S. 66 ff)
SCHÜLER, G.: Auswirkungen einer intensiven Bodenbearbeitung mittels einer neuartigen Stockfräse auf den Nährelementhaushalt eines Waldstandortes (S. 69 ff)


Forsttechnische Informationen 8-9/92
Seite 57

 


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